TEST: AV-Vorstufe Onkyo PR-SC886 - Erstklassige Audio- und Video-Performance ?

23.12.2008 (th/cr)

Bedienung

Hauptmenü in klarer und grafisch guter Aufmachung

Bedienelemente unter der Klappe auf der Frontblende 

Komplett beleuchtete Fernbedienung

Griffgünstiger Lautstärkedrehregler

Klar lesbares Gerätedisplay

Eines müssen wir voraus schicken: Natürlich geht gerade weniger erfahrenen Anwendern die Bedienung einer AV-Vorstufe mit einem so großen Funktionsumfang nicht von einer Sekunde auf die andere von der Hand. Zudem sollte man sich auch erst einmal informieren, welches Ergebnis man mit einem bestimmten Bedienprozess erreicht. Nach einer Zeit des Eingewöhnens gehen beinahe alle Bedienvorgänge relativ leicht von der Hand, was Verdienst der übersichtlichen Fernbedienung ist, die für eine Vereinfachung der Handhabung in der Dunkelheit komplett beleuchtet ist. Der Tastendruckpunkt ist gut, weniger hat uns allerdings begeistert, dass der tadellose Video-EQ des Geräts nicht mit direkten Tasten von der Fernbedienugn aus steuerbar ist. Das Gerätedisplay zeigt alle relevanten Informationen in tadelloser Auflösung an. Die Bedienung am Gerät ist vom girffgünstigen Lautstärkedrehregler geprägt.  Unter der Klappe auf der Frontblende befinden sich weitere Bedienelemente, die zwar recht zahlreich sind, deren Sinn sich aber rasch erschließt. Gesamtnote Bedienung: Ausgezeichnet. 

Testequipment

1. Teil des Testequipments

2. Teil des Testequipments

Klang

Bewertung grundsätzlicher akustischer Faktoren

Die PR-SC886 Vorstufe brillierte mit exzellenten akustischen Leistungen

Frequenzgang / Tonalität: Bezüglich der tonalen Auslegung sind Änderungen im Vergleich zu den bislang bekannten Onkyo AV-Komponenten erkennbar. Spezielles Merkmal der von uns unter die Lupe genommenen Komponenten war bisher der seidige Klang, der mit fein ausgebreiteter Brillanz vor allem im Hochtonbereich für eine ganz eigene, schlichtweg als „schön“ zu bezeichnende Akustik sorgte. Bei der PR-SC886 weicht diese leicht ins Warme tendierende Auslegung nun einem neutraleren Frequenzgang. Kennzeichen der AV-Vorstufe sind die prägnante, klare Durchzeichnung der oberen Mitten und Höhen und die natürliche Ausprägung bei der Darstellung von akustischen Feinheiten. Die Mitten ertönen etwas präsenter als bisher, ohne aber dass sie sich in den Vordergrund spielen würden. Der Bass umgibt sich mit einer straffen, wohl konturierten Aura und bietet ein ordentliches, aber nicht übertriebenes Volumen. Bilanzierend sehen wir die neue tonale Auslegung als etwas luftiger und natürlicher an, die PR-SC886 driftet allerdings nicht restlos ins absolut streng-neutrale High End-Puristenlager ab, sondern wahrt immer noch einen gelungenen, Mainstream-kompatiblen Kompromiss aus akustischer Gefälligkeit und klanglicher Präzision. 

Leistungsfähigkeit im Bassbereich: Der Bass präsentiert sich als antrittsschnell und präzise. Impulse werden nahezu verzögerungsfrei umgesetzt. Als zu schlank oder zu trocken können wir die Basswiedergabe erfreulicherweise nicht bezeichnen. Vielmehr wird schnell und wohl geordnet angespielt und ein angenehmes Volumen offeriert, das beinahe alle potentiellen Kaufinteressanten aufgrund der sehr gekonnten Mischung aus Nachdruck und Realitätssinn mit Freude wahrnehmen dürften. Nur der strenge High-Ender wünscht sich einen schlankeren Bass, der noch exakter auf den Punkt kommt. Eine solche Wiedergabecharakteristik wird er aber in Preisklassen unterhalb der 2.000 EUR schwerlich finden. Alle anderen Hörer freuen sich über die aufgrund ihrer Praxistauglichkeit nahezu perfekten Auslegung. Die Basswiedergabe der PR-SC886 macht viel Spaß, ist auch beim Langzeithören sehr angenehm und weist keine negativen Merkmale wie eine starke Vordergründigkeit oder eine übertriebene Aufdickung auf. Die Dynamik und die Detaillierung im Bassbereich sind sehr gut. Bis in die Tiefen des Frequenzkellers wird differenziert wiedergegeben, der spontane Antritt, die gebotene Wucht und der Nachdruck auch bei längerem Einsatz lassen die PR-SC886 viele Punkte sammeln. Der Grundton- und der Kickbassbereich scheinen minimal weiter im Vordergrund zu stehen – auf genau die richtige Weise, um für ein gefälliges Klangbild zu sorgen. Das Ausklingen des Basses geschieht bei anderen Vorstufen schneller – Hier entscheidet der Geschmack – es kann aber noch nicht wirklich von warm oder fett geredet werden.

Stimmwiedergabe: Stimmen werden von der Onkyo AV-orstufe sehr charismatisch und authentisch wiedergegeben. Ganz gleich, ob es sich um die Synchro-Stimme von Bruce, Allan Taylors rauchige Stimme oder im die Ausnahme-Stimme von Katie Melua handelt – die PR-SC886 schafft es, in allen Fällen eine authentische, klare Stimmwiedergabe mit feiner Darstellung des stimmeigenen Timbres zu generieren. Sehr schön deutlich wird dies auch anhand des Dialogs von Anakin und Palpatine in der Oper in „Star Wars Episode III“. Doe Stimmen von Sängern (ganz gleich ob Pop oder Oper, ganz gleich ob Pet Shop Boys oder Paul Potts“ ertönten mit exakt definiertem Timbre und Vibrato, so dass auch der versierte Hörer hoch erfreut sein dürfte. Im Vergleich zu anderen AV-Vorstufen ist die Leistung noch auf dem Level uns bekannter AV-Boliden, was in Anbetracht der preislichen Einordnung auch klar nachvollziehbar ist. Enorm hochpreisige AV-Vorstufen bieten verständlicherweise noch mehr vokale Durchzeichnung und eine noch besser ausbalancierte Wiedergabe stimmtypischer Details. Die dynamische Aufbereitung von Stimmen bei der PR-SC886 ist ausgesprochen gut gelungen. Die Einbindung ins restliche akustische Geschehen überzeugt ebenfalls auf der ganzen Linie. Stimmen stehen stabil in der Front, sind allzeit sauber verständlich und werden fein differenziert wiedergegeben. 

Auflösung: Hier haben wir einen direkten Vergleich zwischen der PR-SC886 Vorstufe und der im Onkyo TX-SR906 integrierten Vorstufe vorgenommen, und das Konzept, eine eigene AV-Vorstufe anzubieten, geht klanglich voll auf. Wir konnten, da in beiden Versuchsreihen die Endstufen des TX-SR906 verwendet wurden, exakte Vergleiche ziehen, diese endeten mit einem für die PR-SC886 erfreulichen Ergebnis: Details werden von der Vorstufe akribischer herausgearbeitet, die Differenzierung in den Mitten ist gelungener, auch spielt die AV-Vorstufe hörbar präsenter und brillanter. Zusammen mit der neutraleren Auslegung des Frequenzgangs wird hier ein deutlicher Schritt nach vorn gemacht. Eines sei aber an dieser Stelle schon erwähnt: Der TX-NR906 kostet als AV-Receiver gerade einmal knapp 2.000 EUR. Für diesen Preis sind die Leistungen exzellent, der sauber aufgebaute Receiver stößt wie schon sein Vorgänger die Tür zur Boliden-Liga, die mehr als doppelt so teuer ist, weit auf. Die PR-SC886 erreicht natürlich bessere Werte, da sie „endstufenlos bereits mit 1.799 EUR zu Buche schlägt. Da verwundert es kaum, dass das Anklingen, Abklingen und die Einarbeitung von Effekten und nicht im Vordergrund stehenden Ereignissen schneller, präziser, feiner abläuft. Der Oberwellen-/Obertonbereich ist deutlicher zu vernehmen, wodurch alles direkter sowie natürlicher wirkt. Die Impulsumsetzung all dieser Ereignisse erfolgt auch nochmals schneller als beim TX-NR906.Ergo wird hier auf der einen Seite weniger „samtig-schön“ gespielt als bei den AV-Receivern von Onkyo, gleichzeitig aber wird das akustische Ergebnis echter, authentischer – auch bezüglich der empfundenen Tonalität durch die höhere Auflösung.

Räumliche Abbildung: Anschließend an die eben gemachten akustischen Eindrücke, weiß die AV-Vorstufe mit einem ungemein vielschichtigen räumlichen Aufbau weitere Glanzpunkte zu setzen. Erwartungsgemäß hält sie den AV-Receiver-Kollegen TX-NR906 gekonnt auf Distanz, wenngleich der 906er für seine Leistungsliga erneut mit einem herausragenden Können auftrumpfen kann. Diese weitläufige Vielschichtigkeit jedoch, welche die Vorstufe auszeichnet, kann der 906 nicht im identischen Maße offerieren. Die Bühne, die die Vorstufe zur Verfügung stellt, ist breit, aber trotzdem enorm authentisch. Ein aufgeblasener Raum, der aufgrund der unexakten Positionierung akustischer Ereignisse sofort enttarnt werden kann, wird unter keinen Umständen erzeugt. Dafür begeistert die gebotene räumliche Tiefenstaffelung. Innerhalb beider Raumachsen werden die Klangereignisse sehr sensibel und gekonnt ausgerichtet. Die Protagonisten und die sonstigen Geschehnisse sind mit klaren Konturen an einer präzisen Position im Raum zu vernehmen. Die PR-SC886 ist in der Lage, verschiedene akustische Ebenen sauber auseinander zu differenzieren, auch bei komplexe, gleichzeitig stattfindenden Ereignissen entsteht nicht der Eindruck schwammigen „Zusammen-Mischens“, sondern es besteht jederzeit eine klare Differenzierungsmöglichkeit. 

Allgemein: Die Vorstufe, die auf dem TX-SR876 basiert, erstaunt mit einem erstaunlichen akustischen Potential. Der neutrale Frequenzgang sorgt dafür, dass sich die AV-Vorstufe akustisch von früher getesteten Onkyo AV-Receivern abhebt. Es wird aber nicht die komplett hundertprozentige Neutralität oder Mittenbetonung angestrebt und/oder umgesetzt. Es ist grundsätzlich eine tendenziell neutral ausgelegte Vorstufe, welche aber oben herum nicht aggressiv oder scharf wird und unten herum nicht langweilig dünn ist. Das Resultat ist eine nahezu neutrale, harmonische Auslegung mit Spaßpotenzial. Dazu kommen eine superbe dynamische Darstellung in allen Bereichen und eine sehr tolle Aufbereitung des Raums und der Positionierung der Geschehnisse auf der akustischen Bühne. Zusammen mit der gegenüber dem 906 gesteigerten Auflösung und zusätzlich leicht abgeänderten Hochtondarstellung ist hier ein Gesamtpaket am Start, dass einen Mehrgewinn darstellt, der schon mit den Endstufen des 906 zu vernehmen ist. 

Stereobetrieb

Stereo: Im Stereobetrieb zeigt die Vorstufe, dass die Aufgliederung in Vor- und Endstufe durchaus ihre Berechtigung hat. Der sehr schön von den LS gelöste Klang bietet eine wunderbare Bühne, die, wie oben beschrieben, in allen ihren Facetten über dem Niveau klassischer AV-Amps liegt in der Gesamtperformance. Mit dieser Vorstufe macht Stereo richtig Spaß und sie kann durchaus auch höherwertige Stereokomponenten ersetzen. Im direktem Vergleich mit dem 906 fällt auf, dass die Verkabelungsvariante keinen Einfluss darauf hat welche der beiden Komponenten die bessere Figur macht. Der Klang in Stereo ist frisch, schnell, dynamisch und differenziert sehr schön parallel im Raum stattfindende klangliche Ereignisse. Die Berücksichtigung verschiedener Handlungsebenen zum Beispiel bei großen Orchestern (Aus der neuen Welt, Moldau) wird sehr feinfühlig und sensibel herausgearbeitet. Die verschiedenen Handlungsstränge der verschiedenen Orchesterelemente werden in dem ihnen gebührenden Rahmen sauber verfolgt und entsprechend gewichtet in den Raum gestellt und dabei in sehr subtiles und komplexes Ganzes eingeflochten. Bei eher einfacheren Ensembles (z.B. Allan Taylor, Gesang + Klavier) wird beides in seiner Charakteristik wunderbar herausgeschält und mit sehr vielen Details wiedergegeben. Die Größenverhältnisse erscheinen auch äußerst realistisch. 

Lässt man Melody-Gothic-Rocker wie z.B. Nightwish antreten, wird auf sehr schöne Weise der treibende Rhythmus von Bass und Schlagzeug unter den melodischen Einfluss der klassischen Instrumente und den Gesang gestellt .Zugegeben – insgesamt geht im Bereich Stereo unter absoluter Betrachtung nochmals mehr. In relativer Betrachtung hat ONKYO mit der 886 aber schon eine sehr feine Komponente abgeliefert. 

Anmerkung zu Verbindungsvarianten

Solange keine neuen Tonformate gehört werden, sollte am besten der koaxiale oder der optische Signalweg gewählt werden. DD, DTS und PCM 2-Kanal klingen per HDMI flacher, etwas matter und dynamisch eingebremst. Wer es nicht glauben mag, sollte doch bitte wie die Redakteure untereinander Blind-A-B-Test machen. Der Unterschied ist im Rahmen einer entsprechenden Kette durchaus signifikant. Dies ist allerdings eine Feststellung die bei den meisten Komponenten zu machen ist. Die Bestätigung erfolgt durch diverse Entwickler namhafter Anbieter: Durch die Protokolleigenschaften von HDMI bekommt man massive Jitterprobleme. 

Wirkungsweise von Audyssey MultEQ XT

Es kann an bis zu 8 Hörpositionen eingemessen werden, was den Vorzug hat, dass auch mehrere Zuhörer in einem klanglich sehr ausgewogenen Hörbereich sitzen. Die akustischen Auswirkungen sind, wenn man alle Lautsprecher automatisch einmessen lässt und zudem ein raumabhängiges Equalizing durchführt, in verschiedener Art und Weise hörbar. Was Audyssey ohne Zweifel sehr gut macht, ist das Schaffen homogener Übergänge zwischen den Boxen (KEF XQ 5.1-Set), es wird ein klanglich einheitlicher, homogener Raum geschaffen. Die tonale Abstimmung ist auch bei Verwendung von Audyssey relativ neutral, die Auflösung im Hochtonbereich leidet jedoch hörbar, was dazu führt, dass das Hören zwar sehr angenehm ist, der erfahrene Hörer vermisst aber etwas Brillanz und Abstufungsvermögen. Der Bassbereich ist in sich schlüssig und neigt auch bei hohem Pegel nicht zum Dröhnen oder Verzerren. 

Klang Surround

DTS / DD: Ohne Weiteres spielt die PR-SC886 so gut und so gekonnt und feinfühlig, dass sie die Schwächen/Fehler der Kompression/Komprimierung (so vorhanden) herausschält. Das ist für diese Preisklasse ohne Zweifel Referenz-Niveau. Das Klangbild ist insgesamt weitläufig und durchaus einhüllend. Dabei werden die Rears bei richtiger Einpegelung allerdings nicht unnatürlich stark in den Fokus geschoben, die Folge ist eine sehr gute Front-/Rear-Balance mit realistisch-klarer Ausprägung. Die räumliche Verteilung erfolgt sehr geschlossen und gekonnt. Es sind keine wirkliche Lücken zwischen den LS vorne und hinten fest zu stellen – hier schließt die Vorstufe den Raum um den Hörer sehr schön. Die Vorstufe baut aber auch keinen künstlichen Raum den es seitens der Abmischung gar nicht gibt. Sie stellt das Geschehen derart dar, wie es der Tonmeister am Mischpult angedacht hat. 

Im Vergleich zum TX-NR906 ist das gesamte Klangbild im Surround-Betrieb luftiger und leichter – es wirkt noch ein bisschen frischer und schneller – zudem ist der räumliche Eindruck etwas dichter und geschlossener. Der Familienklang ist aber dennoch zu erkennen. Auch wenn die PR-SC886 für Onkyo-Verhältnisse neue Wege einschlägt mit ihrer neutraleren, frischeren und dynamischeren Gangart, verleugnet sie nicht ihre Abstammung. 

Daher kann klar gesagt werden, dass diese Vorstufe eine Evolution im Sinne der Performance gegenüber 906 und 876 ist. Im Sinne der faktischen Konstruktion ist mit dieser Komponente klar zu erkennen, dass der Vorteil der Auftrennung von Vor- und Endstufe klar erkenntlich und nachvollziehbar ist. Im Gegensatz zu den Vorstufensektionen von Receivern wie dem Yamaha DSP-Z11 oder Denon AVC-A1HD ist allerdings kein Klanggewinn festzustellen. Der erhöhte Preis, der für Entwicklung und Materialgüte für derartige Gerätschaften aufgerufen wird, hat also durchaus nach wie vor seine Berechtigung. Im Gegenzug ist man beim Kauf der Vorstufe aber sehr viel flexibler – es bleibt einem selbst überlassen, wie viel Geld man in eine Endstufe investieren möchte. Dies bedingt dann zum einen das resultierende Klangbild und zum anderen die resultierende Klanggüte. 

Die oben beschriebenen Vergleiche beziehen sich in erster Linie auf den direkten Bruder, den mit Endstufen bestückten AV-Receiver TX-NR906. Dessen Endstufen mussten per analogen Mehrkanaleingang und Pure-Direct-Schaltung für den Betrieb der Vorstufe und den direkten Vergleich herhalten. Und selbst mit diesen Endstufen liefert die Vorstufe eine überlegene Leistung ab. 

Klanglich vorteilhaft wirkt sich die Arcam P7 aus

Verwenden wir dann die über 5.000 EUR teure Arcam P7, so wird klar, dass mit einer entsprechenden Endstufe das Leistungspotential der gesamten Kette weiter angehoben werden kann. Der Hochtonbereich wird exakter ausgeleuchtet, und im Rearbereich erscheint die Klangkulisse noch vielschichtiger und geschlossener. Dank der neutralen Auslegung der P7 und der immensen Kraft der eingebauten Endstufeneinheiten kann auch bei hohem Pegel ein von überragender Dynamik und enormer Präzision geprägtes Klangbild genossen werden. Verwendet man im Zusammenspiel mit den THX Ultra 2-zertifizierten Komponenten Onkyo PR-SC886 und Arcam P7 ein entsprechend leistungsfähiges Lautsprechersystem wie das Teufel System 9 oder das Klipsch THX Ultra 2-System, so wird eine Surround-Performance geboten, die selbst versierte Anwender in all ihrer Strahlkraft, Nachdrücklich- und Vielschichtigkeit in blankes Erstaunen versetzt. Beinahe jeder Pegelwunsch wird von der P7 umgehend erfüllt, und die gekonnt abstimmte PR-SC886 liefert die passende Vorarbeit. Nochmals krasser erscheint das Leistungsvermögen in Zusammenarbeit mit der 7.500 EUR kostenden Denon POA-A1HD. Hier ist eine gänzlich andere Liga erreicht im Vergleich zu AV-Receivern der 2000€ Klasse, auch AV-Boliden können hier nicht mehr mit, denn allein schon die schiere Kraft, welche die POA-A1HD bereit stellt, sorgt bei manchem weniger erfahrenen Anwender für Schweißausbrüche. Aber auch die gebotene Dynamik bereits bei geringeren Pegeln lässt erkennen, dass wir uns nun in der Premiumliga befinden. Besonders dramatisch wird dieser Gewinn an empfundenen Klanggenuss mit den neuen Tonformaten. Dazu aber gleich noch mehr. Diese Teils deutlich teureren Endstufen vermögen es jedes noch so kleine Detail, dass die Vorstufe anliefert, adäquat, sauber, differenziert und exakt positioniert in den Raum zu stellen. 

Im klassischen DD/DTS-Einsatz wie auch Stereo Betrieb ist hingegen festzuhalten, dass alt eingesessene Vorstufen vom Schlage einer Audionet Map 1 oder einer Audiolab 8000AP immer noch eine deutliche Schippe drauf legen können. Das Masterpiece der Audionet MAP1 bleibt unangetastet und ihre Leistung in diesem Preissegment weiter zur Gänze unangetastet. Betrachtet man nun aber die Performance der Onkyo PR-SC886 mit den neuen Tonformaten und im Kontext der Ausstattung und des Preises, so ist festzuhalten, dass dieses Produkt aktuell eine Alleinstellung am Markt hat. 

Klang neue HD-Tonformate: Alien vs. Predator 1, Stirb Langsam 4.0, Behind Enemy Lines DTS vs. DTS HD MA, Dolby TrueHD Demo Blu-ray

Diese Vorstufe stellt ungemein schnell und deutlich die Benefits der neuen Tonformate heraus. Es ist nicht die vermeintlich höhere Lautstärke – es sind die Details, die Dichte, der Räumlichkeit und die Dynamik, welche DTS HD MA und Dolby True HD auszeichnen. Onkyos PR-SC886 vermag alle diese Vorzüge selbst an den Endstufen des 906 so deutlich zu vermitteln, dass im direkten Vergleich sogar vorzügliche, konventionelle DTS-Aufnahmen keinen wirklichen Spaß mehr bereiten. 

Details wie das leise Auftreten des Mädchens in Kap. 16 in „Im Fadenkreuz“ kommt mit klar erkennbarer Charakteristik auf der DTS-HD Master Audio-Tonspur der Blu-ray daher – auf der DVD-DTS-Spur ist nur im Ansatz zu erkennen, dass etwas Derartiges vonstatten geht. Gleiches erlebt man an mehreren Stellen – wo die alten Tonspur Ereignisse andeutet und schwammig umreißt, ist auf der neuen die Präsenz des akustischen Ereignisses nicht mehr zu leugnen und dazu noch klar einzuordnen. Die Dichte und Komplexität der Ereignisse steigt bei HD-Tonspuren merklich. Einzelgeschehnisse sind exzellent in einen filigranen, atmosphärischen Klangteppich eingewebt. Weiter besticht die nun gebotene Dynamik, welche so bisher von DTS und DD nicht erreicht wurde. Für den wahren Kinofan ein Segen sondersgleichen – Ob nun das Anreißen der Auslöser der einzelnen Bomben (Im Fadenkreuz) oder der Antritt der Explosionen selber – alles springt sehr viel schneller und direkter zwischen den Grenzen der Lautstärkeskala hin und her. Wo früher klangliche Geschehnisse noch nachgeschwungen haben oder noch nicht recht in Tritt gekommen sind, gehen die Ereignisse jetzt schnell und präzise vonstatten. Auch die Wiedergabe der tieffrequenten Anteile erfolgt sehr viel straffer und definierter – viele früher von einem undefinierten, schwammigen Bass durchzogenen Passagen enthalten nun Informationen, von denen nichts geahnt wurde. 

Auch der TX-NR906 ist wie schon sein Vorgänger TX-NR905 absolut in der Lage die Vorzüge der neuen Formate in aller Deutlichkeit herauszuarbeiten. Die Besitzer diesen beiden Geräte werden Probleme haben, nach dem Genuss zu vieler qualitativer ansprechender DTS HD MA – und Dolby TrueHD Tracks noch konventionelle voll zu genießen. Dennoch schält die 886 noch ein Quäntchen mehr an Informationen aus den Datenströmen und stellt diese dann mit mehr Dynamik und Durchzeichnung in den Raum. Ebenso ist die Ansteuerung des LFEs wie der Antritt nochmals präziser und schneller. Also geht auch hier das Konzept auf, die Vorstufe in ein eigenes Gehäuse zu stecken und ihre Arbeitsbedingungen zu optimieren und von Störungen zu befreien. 

Surround-Aufpolierer

Stereo vs Dolby PL2x Music: PL2x zieht das Geschehen sehr schön in die Breite wie auch die Tiefe des Raumes. Der Bass bleibt tonal erstaunlich nah am Stereo-Original – aufgedickt wird er kaum und die Schnelligkeit leidet nicht. Stimmen bleiben recht nah an dem Klangeindruck der Stereo-Wiedergabe und auch die oberen Mitten wie auch die Höhen sind nicht über Gebühr bearbeitet. Hier liegt also eine sehr gelungene Implementierung vor, die aufzeigt, dass auch auf diesen vermeintlich ausgetretenen Pfaden immer noch neue und gelungene Abstimmungsarbeit vorgenommen wird. 

Stereo vs. DTS Neo6 Music: Neo6 schiebt den Bereich der Mitten etwas zu sehr in den Vordergrund. Dem Bass wird im Frequenzkeller deutlich wahrnehmbar Volumen geraubt und es wirkt alles im Vergleich zu PL2xM leicht blechern und im Bereich der Höhen anstrengend. Die räumliche Verteilung hingegen ist sehr gelungen und erscheint dynamischer als die Dolby-Variante. Dynamisch sind übrigens beide Aufpolierer für die Verhältnisse ihrer Gattung. Zudem ist es schön, zu sehen, mit wie wenig unnatürlich hinzugefügtem Hall heutzutage der räumliche Eindruck in der rückwärtigen Tiefe erreicht wird. 

Fazit Klang

Die Onkyo AV-Vorstufe PR-SC886 begeistert mit der annähernd neutralen Auslegung – annähernd neutral deshalb, weil Onkyo mit dieser akustischen Charakteristik noch genug Raum lässt für viel Hörfreude. Der schnelle, kräftige, aber nie oberflächliche Bass sorgt ebenso für überraschte Gesichter wie das exzellente Raumgefühl, das auch kleine akustische Ereignisse akkurat berücksichtigt. Durch die außerordentlich gute Grob- und Feindynamik ist die PR-SC886 in der Lage, auch die Vorzüge der neuen HD-Tonformate überzeugend und deutlich herauszuarbeiten. Die sehr gute Stereo-Performance und die hervorragende Integration der beiden Surroundaufpolierer Dolby Pro Logic IIx und DTS Neo:6 passen ins erstklassige Gesamtbild. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Hervorragend. 

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