HighEnd: Sony präsentiert Top-Schallwandler SS-AR1

04. Mai 2012 (cr/th/phk)

Sony hat im Rahmen der High End die neue Top-Lautsprecherbox SS-AR1 präsentiert. Auf der Messe wurde der Schallwandler mit einem Paarpreis von 28.000 EUR gezeigt, im kleinen Rahmen gab es eine klangliche Präsentation am Abend des ersten, für die Presse reservierten Messetages. 
Leitmotiv der SS-AR1 ist „Because You Care About Music“ – und das ist auch der programmatische Ansatz. Sony sieht den Lautsprecher wie in Musikinstrument – bewusst wurde auf eine Monitor-ähnliche Auslegung mit sehr engem Abstrahlfeld verzichtet, im Zentrum bei der SS-AR1 soll eine räumliche dichte und gleichzeitig natürliche Gesamtauslegung stehen.

Gehäuse SS-AR1

Genau wie ein edles Piano besteht auch der handfertige Sony-Schallwandler aus Echtholz. Die einzigartige, sorgfältig ausgewählte Kombination verschiedener Materialien sorgt bei der SS-AR1 für den ganz speziellen Klang. Das Holz für die Schallwand kommt von der japanischen Insel Hokkaido, es handelt sich um streng selektiertes Walnussholz. Zum günstigsten Zeitpunkt im November werden die Bäume gefällt, genau zu diesem Zeitpunkt ist die Materialbeschaffenheit für den Verwendungszweck optimal. Das Walnussholz wird laminiert zu einer Dicke von einheitlich 50 mm. Der Rest des Gehäuses besteht aus finnischem Birkenholz, das laminiert und komprimiert wird auf eine Dicke von 32 mm. Die ausgeklügelte Form des Gehäuses sorgt dafür, dass im Inneren keine stehenden Wellen auftreten. Natürliche Musikalität soll im Fokus der Wiedergabe stehen, später werden wir darauf eingehen, ob die anspruchsvolle Mission gelungen ist. Dass Materialgüte groß geschrieben wird, dokumentiert auch das üppige Gewicht von 57 kg pro Stück. Die Abmessungen 320 mm breit, 1055 mm hoch und 450 mm tief.

Der Zusammenbau der SS-AR1 erfolgt mit größtmöglicher Sorgfalt. Maßstäbe, die bei der Fertigung edlester Musikinstrumente angelegt werden, möchte Sony auf die Produktion der SS-AR1 übertragen. Daher wurde die Fertigung der Gehäuse auch einer Firma übertragen, die sich auf die Fertigung von Musikinstrumenten spezialisiert hat. Jeder Hoch/Mitteltontreiber und Basstreiber arbeiten im Übrigen in einer separaten Kammer, was störende Einflüsse minimiert. Durch die zusätzlichen Verstrebungen gewinnt des Weiteren das Gehäuse an Steifigkeit. Jedes Sub-Gehäuse hat einen eigenen, sorgfältig abgestimmten Bassreflex-Port.

Natürlich definiert sich ein Spitzenlautsprecher nicht ausschließlich über das Gehäuse . Auch besonders hochwertige Treibereinheiten gehören dazu. Sony hat sich für Scanspeak entschieden, ein sehr renommierter Chassishersteller, der sich bestmögliche Qualität auf die Fahnen geschrieben hat. Vier Lautsprecher und eine 3-Wege-Konfiguration klingen eher konventionell, aber die SS-AR1 zeichnet sich weniger durch extreme Innovationen als durch die kompromisslose Liebe zum letzten Detail aus.

Die zwei 200 mm Aluminium-Woofer sorgen für genug Ausdruckskraft im Bassbereich. Ein Kupferring optimiert die Symmetrie des Magnetfeldes, Verzerrungen werden effektiv reduziert. Der 130 mm Mitteltöner besitzt eine gleichermaßen leichte wie steife Papiermembran, auch hier sorgt ein zusätzlicher Kupferring für geringe Verzerrungen. Der 25 mm Hochtöner ist auch mit einer speziellen Kammer hinter dem eigentlichen Chassis versehen, diese kontrolliert den Luftaustritt. Sechs Neodym-Magneten sorgen für enorme magnetische Stärke und gleichzeitig hohe Präzision bei geringem Platzbedarf. Bis auf 60 kHz hoch spielt die SS-AR1.

Die Basisdaten umfassen einen Frequenzgang von 28 Hz bis 60 kHz, eine Nominalimpedanz von 4 Ohm und eine maximale Eingangsleistung von 200 Watt, die Empfindlichkeit liegt bei 88 dB (2,83 V/1m).

SS-AR1

In ersten Hörtestreihen spielte uns Sony vier Stücke vor. Als Zuspieler diente Accuphase-Elektronik, die Lautsprecherkabel kamen von Kimber. In einem Salon mit leicht gedämpfter und daher recht angenehmer, wenn auch nicht professionellen Ansprüchen genügende Akustik wurde vorgeführt. Raumgröße betrug ca. 30 Quadratmeter. Die SS-AR1 konnte sich exzellent in Szene setzen. Besonders bei einem Stück mit hohem Piano-Anteil bewies der Schallwandler überragende Ortungsschärfe und Feindynamik auf höchstem Niveau. Genaue Aussagen können wir erst nach einem Test in unsererem Redaktions-Hörraum treffen, aber für eine grobe Richtungsangabe reichen die ersten Hör-Eindrücke aus. Toll ist die Räumlichkeit, die SS-AR1 ist ein „Anti-Monitor“ und lässt auch mehrere Personen, in unserem Falle waren es sechs, an den überragenden akustischen Fähigkeiten des Lautsprechers teil haben. Das Piano hat sich sensationell von den Chassis gelöst, die Anschlagdynamik der Tasten kam erstklassig heraus. Auch die Grobdynamik begeisterte – Dynamiksprünge werden mit enormer Impulstreue umgesetzt. Was macht die SS-AR1 im Besonderen aus? Topleistungen, wie eben beschrieben, setzt man in der Preisklasse, in der die SS-AR1 beheimatet ist, voraus. Aber die spezielle Auslegung sorgt für klare Differenzierungsmerkmale. Es ist insbesondere die gleichermaßen dichte wie natürliche Räumlichkeit, die wir in dieser Intensität bislang nur selten wahrgenommen haben. Ein maßgeblich auf vokalen Elementen basierender Track führt dies eindrucksvoll vor. Der Sänger steht zentral vor dem Publikum, der Klang scheint nicht mehr aus der Box zu kommen. Eine virtuelle Gestalt scheint für die vokale Präsentation zuständig zu sein. Die Ausprägung stimmeigener Facetten ist genial, so fein und sensibel deckt die SS-AR 1 auch kleine charismatische Details auf. Gnadenlos zeigt der Schallwandler durch seine direkte Auslegung allerdings auch kleine Schwächen des Quellmaterials auf. Der Hochtonbereich ist den Sony-Ingenieuren vortrefflich gelungen, Unglaubliche Klarheit und Transparenz treffen auf herausragende klangliche Harmonie. Von Aggressvität auch bei hohem Pegel keine Spur, anstatt dessen herrschen Souveränität und Homogenität mit exzellenter räumlicher Auflösung vor. 

Text: Carsten Rampacher
Bilder: Thomas Hermsen
Redaktion: Philipp Kind
04. Mai 2012

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